Bevor ich irgendetwas zu den Gebühren von mir gebe, muss ich sagen, dass ich zu jener Spe- zies von Studenten gehöre, der sich das Studi- um trotzdem wird leisten können. Ich hatte damals auch keine Probleme, meinen Studien- platz zu bekommen. Und den Bachelor-Studien- gang empfinde ich auch nicht nur scheiße.
Die Studiengebühren aber werden gravierende Folgen nach sich ziehen, auch wenn sie offiziell die Studienbedingungen verbessern sollen (was ich ja irgendwie nicht wirklich glauben kann, denn in unserem Mensa-Gebäude tropft es bei Regen durch die Decke).
Der unerwünschte Nebeneffekt der Studienge- bühren ist, das die Schere zwischen Arm und Reich vermutlich weiter auseinanderklaffen wird. Wieso, ist hoffentlich allen klar. Aber diese Schere ist von Menschen gemacht, und kann auch durch Menschen wieder beseitigt werden.
Akademiker werden nicht nur besser bezahlt als Andere, ihre Tätigkeit wird auch noch höher an- gesehen. Das ist falsch! Das ist eines der größ- ten Probleme unserer modernen Gesellschaft. Warum erkennen wir eigentlich nicht an, dass die Arbeit eines Handwerkers, eines Müllmanns oder eines Produktionshelfers genauso viel wert sein kann, wie die eines Juristen, eines Journalisten oder eines Managers? Wir soll-
ten umdenken: Die Wertigkeit eines Jobs nicht mehr daran bemessen, welche Hürden man überwinden muss, um einen Beruf ausüben zu können oder wie viel Knete man in die Ausbil- dung stecken muss. Der Nutzen für die Gesell- schaft und das sog. „Allgemeinwohl“ sollten
im Vordergrund stehen.
Angenommen jemand liest besonders gerne Comics – was ja auf den ersten Blick eine reine Zeitverschwendung ist – sollte er oder sie kein schlechtes Gewissen haben. Sondern vielleicht Comicverkäufer, Zeichner oder Verleger wer- den. Und nicht Betriebswirtschaftslehre oder so einen Mist studieren, bloß weil man irgendwann mal gelernt hat, dass man damit die dicke Koh- le machen kann.
Das Statistische Bundesamt sagt, das 2002/ 2003 BWL bei Männern und Frauen das „belieb- teste“ Studienfach war. Tendenz: Steigend. Gleichzeitig gehen die Zahlen der bestande- nen Prüfungen zurück. Liegt das vielleicht da- ran, dass viele Menschen in diesem Land
BWL studieren, weil sie annehmen, dass das aus ökonomischen Gründen eine gute Wahl sei, obwohl sie eigentlich ganz andere Interes- sen und Begabungen haben? Völlig verständ- lich, dass diese Leute dann durch die Ab- schlussprüfung rasseln.
Okay, angenommen sie bestehen trotzdem: Dann haben wir eine ganze Menge Manager und Betriebswirte, die ihren Job hassen und einen großen Hobbykeller für ihre eigentlichen Vorlieben unterhalten. Das ist aber nicht nur
für die persönlich große Scheiße, es ist außer- dem auch noch schlecht für die Wirtschaft. Begeisterte und ehrgeizige Manager sind wahr- scheinlich besser, oder? …
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