| Richters Prinzip ist »Stilprin- zip durch Stilbruch«. Find auch ich zeitgemäß.
Sebastian Osterhaus
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Sebastian Osterhaus studiert Kunst und Kunstgeschichte an der Universität Osna- brück. Seine Malerei steht in einem Bezug zu Gerhard Richter – und ist doch ganz anders …
((( t ))) Du benutzt zur Charakterisierung deiner Bilder die Begriffe »Verunklärung- en« und »Diffusionen«. Auch wenn die Be- griffe eigentlich eindeutig sind: Sag doch mal bitte, wie du das meinst?
Wahrnehmung, das aufmerksame Betrachten bestimmter Details, das eigentliche »Sehen« wird durch technische Eingriffe, wie diese von Dir erwähnten Verunklärungen und Diffusio- nen intensiviert. Ich erreiche durch das Verwi- schen von Ölfarbe, dass der Betrachter ge- nauer hinschauen muss. Obwohl durch diese stilistische Verunklärung vieles verborgen
bleibt, versucht der durch die Diffusionen ver- unsicherte Betrachter eigene Begriffe für das nicht Erkennbare zu bilden. Meine Bilder sind sicherlich nicht »Fast-Food-Nahrung«, also nicht leicht konsumierbar. Aufgrund ihrer Inhalte und technischen Umsetzung erfordern sie eine Auseinandersetzung. Man sieht immer wieder neue Details, die man einen Tag zuvor noch gar nicht wahrgenommen hat. Für mich sind meine Bilder wie eine auf den Kopf gestellte Erlebnis- welt.
((( t ))) Du sprichst von einer Schattenwelt, die du mit deinen Bildern untersuchst. Klingt unheimlich. Wie meinst du das?
Wir leben doch alle in einer Schattenwelt. Wenn die Sonne scheint, siehst Du doch über- all Schatten, oder?! Nein, Scherz beiseite. Al- so zuallererst muss ich betonen, dass ich meine Motive »meistens« umkehre. Das heißt, dass ich malerisch Farbfotonegative herstelle. Hat ein Mensch einen bräunlichen Hautfarbton, wird er bei mir sicherlich blau-violett wiedergegeben. Ich kehre aber nicht nur um oder schaffe Ver- unklärungen. Durch das Verzerren von Per- spektiven und Figurationen erscheint alles wie aus dem Lot gerückt. Die scheinbar von uns als logisch wahrgenommene Realität wird in meinen Bildern also komplett verleugnet. In diesen Bil- dern stößt der Betrachter auf Welten, die er in unserer Realität vermutlich als märchenhafte Realismusphantasien abtun würde. Nur weil im- mer alles logisch, wissenschaftlich und mathe- matisch erklärbar sein muss, kann es doch trotzdem Alternativen geben. Eine solche Mög- lichkeit von Welt siehst du in meinen Bildern. Aber da sie nicht offensichtlich ist, liegt sie so- zusagen im Schatten unseres Unterbewusst- seins. |