Ich sehe mich nicht in erster Linie als Fotografen son- dern eher als Kommunika- tor.
Ragnar Gischas
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Ragnar Gischas ist einer jener Helden, die alle Brücken hinter sich abgebrochen haben, um das zu tun, was sie tun müs- sen. Und in Ragnars Fall ist es die eroti- sche bis pornografische Fotografie. Die Vorbehalte gegenüber dieser Art von künstlerischer Tätigkeit sind seitens des spießigen Teils des Kunstpublikums groß. Und der vermutlich weitaus kleinere, aufgeschlossene Teil der Rezipienten sucht oft vergebens nach untermauernder Aus- kunft. Gerade deswegen gebührt jenen Outlaws, und stellvertretend im aktuellen Transponder speziell Ragnar Gischas, eine genauere Be-ob-achtung ...
((( t ))) Zu den expliziten Darstellungen: Von denen hast du ja nur wenige auf deiner Homepage. Spiegelt das auch das Verhältnis zu deiner Arbeit wieder?
Nein, denn auf der Homepage ist kein Jugendschutz vorgeschaltet. Und deswegen kann ich da keine expliziten Geschichten hineinnehmen. Ich habe ja mit ganz sauberen Akten angefangen, manchmal nur Teilakte oder Porträts. Zur Zeit arbeite ich mich et- was vor in die explizitere Richtung, die teilweise hin zum Porno-Chic gehen soll. Aber immer mit einem gewissen Witz. Also weg vom eher sauberen Industrial (Out- door in alten Industrieanlagen) hin zum
et- was Schmutzigeren.
((( t ))) Bestimmt die Nachfrage das An-gebot oder ist es für dich ein künst- lerischer Aspekt, der dich in diese Rich- tung treibt?
Das hat sich eigentlich so ergeben. Ich sehe mich nicht in erster Linie als Fotografen, sondern eher als Kommunikator. Es ist ja so: ich kenne weder die Leute, mit denen ich arbeite, noch kenne ich die Orte, an denen ich arbeite. Deshalb lebt die Arbeit auch von diesem Überraschungsmoment. Du triffst auf jemanden, du weißt nicht, wie der drauf ist, du hast vielleicht nur kurz mit ihm telefoniert oder ge-e-mailt, und dann musst du spontan sein: Location-mäßig – weil ich nie weiß, wie das Licht ist; ich habe auch nie einen Blitz mit –, und du musst halt schauen, wie jemand tickt, was du mit demjenigen ma-chen kannst. Über die Zeit hat es sich so ent- wickelt, dass ich vermehrt Leute aus dem Hardcore-Bereich habe. Ich habe einmal mit einem Hardcore-Modell gearbeitet und die Bilder bei ihr auf die Seite gestellt – und seit- dem bekomme ich relativ viele Anfragen …
((( t ))) Welche Kriterien legst du an dei- ne Arbeit an, um dich von den rein kommerziellen Bildchen der bekannten Branche zu unterscheiden?
Der Unterschied ist, dass ich eine andere Herangehensweise habe. Denn ich mache mir keine Pläne vor dem Shooting. Ich weiß nicht, was ich umsetzen will, denn es kommt immer auf die Person an. Und mir ist wichtig, dass die Bilder eine Geschichte haben. Das ist bei fast allen Bildern so, die ich mache: dass sie eine Geschichte erzählen, und zwar eine Geschichte die daraus entsteht, dass man sich einfach mit jemandem unterhält, Kaffee trinkt, und auf einmal fällt einem etwas ein! – Im Prinzip inszeniere nicht ich, sondern ich lasse die Leute selbst inszenieren …! Die kommen also ins Studio, und wissen zunächst auch nicht, was sie erwartet, und nach einiger Zeit ergibt sich das von selbst. Ich greife, wenn vorhanden, die Ideen der Frauen auf. Und deshalb drücke ich denen auch nicht meinen Stempel auf und sage, wir müssen jetzt das und das machen, sondern ich lasse sie im Prinzip selbst entscheiden. Und dadurch kommt etwas anderes zu Stande.
((( t ))) Mit Männern hast du nicht so viel zu tun?
Mit Männern habe ich ganz einfach aus dem Grunde ganz wenig zu tun, weil sich kaum welche finden. Es ist tatsächlich so, dass Männer in diesem Bereich irgendwie ver- klemmter sind und da kein Bock drauf haben. Mich hat noch nie ein männliches Modell angeschrieben um Bilder zu machen. Das kann natürlich daran liegen, dass ich hauptsächlich Frauen präsentiere. Trotzdem finde ich diese Männergeschichte auch interessant. Aber meistens geht es dann über das Porträt nicht hinaus. Was ich anderer- seits natürlich auch völlig in Ordnung finde. Also, ich finde auch Männer-Porträts Klasse. Wenn die Kommunikation passt und man eine gute Idee für ein Porträt entwickelt, fin- de ich Männer-Porträts genauso interessant wie einen Frauen-Akt.
((( t ))) Wie schätzt du es persönlich ein, dass demnach Frauen also anscheinend ein größeres Interesse haben, sich fo- tografieren zu lassen?
Ich glaube, die sind einfach lockerer und haben mehr Spaß an der Selbstdarstellung. Männer stellen sich über etwas anderes dar als Frauen. Männer stellen sich zum Beispiel über ihre Besitztümer dar. Frauen sind oft sehr körperfixiert und haben auch Spaß am Testen und haben auch Spaß am Provo- zieren. Das merke ich auch beim Arbeiten, dass die echt Laune haben herumzupro- vozieren und auch gewagte Sachen zu bas- teln. Männer sind da anders …
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