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Thermostartists° Ausstellungsstaffel
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_kulturos Februar bis April 2007

April



2007

 

Geometrie der Figur
Luca Cambiaso und die moderne Kunst
28. Januar bis 15. April 2007
Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück

Links: http://www.osnabrueck.de/22071.asp
http://www.geometrie-der-figur.de

Anspruch
Inhalt
Umsetzung
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Die in der nebenstehenden Rezension enthaltenen
eingeklammerten Ellipsen zeigen Aussparungen an. — Eine um
jene Auslassungen ergänzte Fassung bekommen Sie
als PDF-Datei für € 1,– auf Anfrage:
verlag@thermostart.de
Bei einem Museumsbesuch erwarte ich Folgen-
des: Bereicherung, eine Abwechslung vom Alltag und eine gute Präsentation sowie ein Verständ-
nis vom Anliegen der Ausstellungsmacher. Letz-
teres Verständnis sollte sich nicht plötzlich ein-
stellen sondern mit Hilfe von Begleittext (damit ist nicht der Katalog gemeint) oder Offenkundigkeit. Kataloge sind zwar schön und geben der Aus-
stellung einen ambitionierten Glanz. Doch sind sie meist so teuer (hier: 25 Euro), dass der Schlüssel zum Verständnis der Ausstellung schon aus finanziellen Gründen nicht im Katalog liegen sollte. Ein öffentliches Museum muss auch den inter-
essierten Laien einkalkulieren, der vielleicht zum ersten Mal ins Museum geht und der sofort ge-
packt werden will und nicht umständlich in einem teuren Katalog suchen muss.

Bei der besprochenen Ausstellung Geometrie der Figur sind die Werke von Cambiaso zum Glück auch räumlich der Schwerpunkt. Man kann sich an den Federzeichnungen erfreuen oder sie zumin-
dest als genuine Werke der Kunst betrachten. Herauszustellen sind

  • Das Martyrium des Hl. Laurentius (zwei Entwürfe)
  • Christus wirft durch seine Stimme die ihn gefangennehmenden Soldaten nieder
  • Versammlung der Götter (18,8 x 35,1 cm)
  • Zweikampf in einer Schlacht

Grausamkeit, Übermacht, Spiel und Eitelkeit sowie ein weiteres Mal Grausamkeit werden hier mit der angewandten Formensprache der zu geometrischen Formen abstrahierten Körper zu einem sinnbildlich-soziologischen Vexierspiel verdichtet. So etwas spricht an, weil es so ein-
fach ist und doch so wahrhaftig.

Traurig, dass die eigentlich wunderschönen Zeichnungen nicht langsam und ihrer Würde ent-
sprechend in das Bewusstsein aufgenommen werden können. Nein, die Ausstellung will zeigen, dass sie nicht dröge und verstaubt wirken will
und hat deshalb in Nebenräumen moderne und noch modernere Zeugnisse von Körpergeometrie untergebracht …
Doch selbst der Cambiaso-Raum wurde mit Dürer und Ähnlichem infiltriert, augenscheinlich als di-
daktische Einstiegshilfe, doch eigentlich wohl vor allem als Untermauerung der Wichtigkeit Cam-
biasos in diesem Zusammenhang. Das hat Cam-
biaso nicht nötig. Stimmt die Hypothese der Untermauerung also nicht, dann bleibt die didak-
tische Einstiegshilfe. Doch ganz ohne erläuternden Text bleibt diese Hilfe plump und würdelos. Wird Dürer, Da Vinci und anderen einfach nicht gerecht. Zerpflückt sie und entwertet sie zu bloßen Fall- beispielen. Das Gleiche passiert mit den Werken aus der Moderne im Nebenraum. Aber es kommt noch besser:

Ein weiterer Nebenraum, den man auch als Werberaum eines Sponsors bezeichnen könnte, zeigt auf einem mittelgroßen Display ein stum- mes Video über ASIMO, einem menschenähnlich sein sollenden Roboter, dessen Menschen- ähnlichkeit sich in den Gliedmaßen ausdrücken soll. Und in der Fähigkeit zu gehen, zu winken und Sektgläser zu halten, um es einmal polemisch auszudrücken. (...) Auf einem kleinen Display daneben kann man sich über Kopfhörer, die viel zu laut sind, drei Quasi-Werbefilmchen über ASIMO anschauen. Das wars. Ein ganzer Ausstellungs-
raum an einen Sponsor verschenkt. — Es wäre natürlich möglich gewesen anhand eines einfachen, wenn auch etwas längeren Textes eine gedankliche Brücke zum Rest der Ausstellung zu schlagen. Eine Brücke, die jetzt jeder Besucher für sich schlagen muss und sich dabei ängstlich fragt, ob seine Gedanken richtig sind. Aber vielleicht hatten die Ausstellungsmacher auch Angst, den Besucher zu irritieren oder zu überfordern? Es ist eben doch schwierig, einen einfachen Text zu schreiben. (...)

Über die 3D-Animation zweier Cambiaso- Arbeiten kann man nur sagen: Schön, na und? Muss man alles zeigen, was mit Cambiaso in Zusammenhang steht, nur weil es existiert?
Trägt es tatsächlich zu einem eingehenderen Verständnis seiner Werke bei? Oder ist diese Vorführung nicht eher Blendwerk, das eine Modernität ausdrücken soll, die man eher vom European Media Art Festival erwartet? Nun, Cambiaso hätte sich vielleicht über die Mühe gefreut, die die Wissenschaft in diese Animation gesteckt hat. Nur hat diese Animation weder formal noch inhaltlich etwas mit Cambiasos Arbeiten zu tun. Stattdessen schleicht sie sich durch die Hintertür in unser Bewusstsein und macht die Originale flach und farblos und irgend- wie langweilig. Solche Animationen sind wie Heroin: Bist du ihnen erst einmal auf den Leim gegangen, wird alles andere lahm.

  kulturos gibt bekannt:

 

 
Ausstellungsstaffel von April bis September 2007
der Thermostartists° im Achteinhalb, Osnabrück,
Hasestraße 71 (Filmtheater Hasetor).
Täglich ab 18.30 Uhr.
Aktuell im April:
DANIEL TORRADO HERMO —
Aktzeichnungen, entstanden in der Unizeit
Angebote zwischen 1 und 111 Euro !
Mai: SEBASTIAN OSTERHAUS
Juni: STEFFI KRAMER
Juli: GITTI DIETZE
August: RIKI HAAS
September: SVEN PRIEBS

Daniel Torrado Hermo: Auguste Rodin – Der Mensch und sein
Gedanke (1899/1900), Alte Nationalgalerie, Berlin, 2002.

Zeichnung, ca. 25 x 24,5 cm, € 120,–

Eine Postkarte zur Staffel wird kostenlos
herausgegeben, exkl. Porto.

– VERGRIFFEN –

 

kulturos Musiktipp:

Spieltrieb REGIONALEXZESS — (Konzert: 14.07., Neuenkirchen.)


kulturos DVD-tipps:

Erwin Wagenhofer: WE FEED THE WORLD

Hubert Sauper: DARWINS ALPTRAUM

Davis Guggenheim: EINE UNBEQUEME WAHRHEIT


kulturos Buchtipp:

James Lovelock: GAIAS RACHE

Autor:

Design:

Daniel Torrado Hermo, www.torrado.de

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