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Zur Konzeptkunst, anlässlich des Osnabrücker Parkuhrenwettbewerbs 2005
[ Archiv 2005 ]
Anlässlich des Zweiten Platzes von Andreas Eismann beim Osnabrücker Parkuhren- wettbewerb, hier ein Essay über Konzeptkunst:



Andreas Eismann


Mit seiner prämierten Arbeit »Requiem« über-schreitet Eismann durch seinen konzeptkünst- lerischen Ansatz die Grenzen des Osnabrücker Lehrekanons. – Ebnet er damit den Weg für einen Paradigmenwechsel?




Requiem

Konzeptkunst ist bislang kein Thema in der künstlerischen Praxis des Fachs Kunst/- Kunstpä- dagogik an der Universität Osnabrück gewesen und wurde nur vereinzelt betrieben. Zu abstrakt,
zu verkopft, zu wenig praktisch könnten die Argu- mente gewesen sein. Die Aufgeschlossenheit der Jurymitglieder, zu denen auch die in Osnabrück lehrenden Bremer Prof. Claude Wunschik und Prof. Peter Steineke, sowie die international anerkan- nte Textilkünstlerin Hiltrud Schäfer gehören, haben hier möglicherweise ein leises Signal für ein Um- denken gegeben.

Konzeptkunst und auch Minimal Art reagierten in den 1960er Jahren auf den Abstrakten Expres- sionismus, dessen bekanntester Vertreter Jackson Pollock war. Die Konzeptkunst erweiterte den Kunstbegriff insofern, als sie eine Theorie lieferte, wonach Konzepte (auch) unausgeführt bleiben können. Natürlich können die meisten aber auch vom Künstler, oder auch vom Betrachter / Rezi- pienten selbst, ausgeführt werden.

Das Charakteristische an der Konzeptkunst ist
der gedankliche Unterbau. Meistens wird dieser Unterbau vom Künstler offengelegt, damit der Rezi- pient die Arbeit gedanklich nachvollziehen kann. Somit findet ein Hauptteil der Konzeptkunst in den Köpfen der Menschen, nicht in den Werken der Konzeptkunst selbst, statt.

Beispiel für ein Konzeptkunstwerk:

Nehmen Sie einen seidenen Faden (zur Not geht auch Zahnseide), lochen Sie einen schmalen Zettel (1,5 cm x 7,5 cm) am ei- nen Ende mit einem Locher (nur ein Loch) und schreiben Sie »Das Leben« auf beide Seiten. Befestigen Sie den Faden in Ihrem Zimmer, so dass der Zettel frei hängt. Die Arbeit ist nun ein »Torrado«, da ich, Daniel Torrado Hermo, das Konzept dazu geliefert habe. Da Sie dieses Konzept ausgeführt ha- ben, sind Sie nun im Besitz dieser Arbeit, die ohne jede Auflage beliebig oft von beliebig vielen Personen ausgeführt werden kann.

Andreas Eismanns Arbeit »Requiem« ist auf gleich mehreren Ebenen ein Konzeptkunstwerk:
»Requiem« ist in seiner Form eine Hommage an Damien Hirst, der für seine Konservierungen in Formaldehyd und seine musealen Präsentationen bekannt ist. Eismann referiert also mit »Requiem« auf Hirsts Konzept.

Des Weiteren ist die Ausführung der Arbeit bis zuletzt konzeptuell geblieben: Der Glasbehälter
ist eine Sonderanfertigung eines Spezialisten für Aquariumbau gewesen. Dies ist ein weiteres Merkmal für Konzeptkunst: Der Künstler muss nicht mehr unbedingt selbst Hand anlegen sondern kann seine Arbeit in Auftrag geben.

Das entscheidende und stärkste Merkmal ist
jedoch die besondere Dialektik, die Eismann mit seiner Komposition hergestellt hat. Das Requiem, ursprünglich die »Totenmesse«, wird als pietät- voller Titel eingesetzt, um zu veranschaulichen: Hier ist etwas gestorben, dem wir jedoch in Ehren ge- denken wollen, das wir konservieren wollen. Die Parkuhr soll nicht einfach entsorgt, vernichtet wer- den. Stattdessen wird hier anerkannt, dass sie lan- ge Zeit das Stadtbild und auch eine Idee geprägt hat. — Und eine Idee, die Menschen entwickelt haben und die eine Stadt viele Jahre mitgetragen hat, geht eben nicht einfach so unter. Vielmehr wird sie – auch durch die baldige Versteigerung aller Parkuhrenkunstobjekte – in dem Bewusstsein vie- ler weiterleben. Und das veranschaulicht Eismanns Arbeit mit schlichter Eleganz …

Zu den weiteren Preisträgern gehören

Janine Arndt – »Das letzte Parkmahl« (Erster Platz),

 

Simone Bahr – »Biouhr« (Dritter Platz),

 

Daniel Torrado Hermo – »Die Zeit parkt nicht« (Dritter Platz).

Der Dritte Platz wurde zwei Mal vergeben.

Zu begutachten waren die Kunstwerke aller Wettbewerbsteilnehmer in den Verkaufsräumen von Betten Kirchhoff, Wüsthoff, Kolkmeyer und L+T.

***

Alle Rechte vorbehalten. © Daniel Torrado Hermo.

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Autor:

Design:

Daniel Torrado Hermo, www.torrado.de

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