das kulturmagazin der thermostart° galerie___[ zur galerie ]___[ impressum ]

nachrichten
| interviews | rezensionen | berichte | reportagen | glossen | ((( t ))) archiv
(((.t.)))
_Transponder November 2006 (Foto 2008)
featuring:
Daniel Torrado Hermo
#9



2006–2008
 

»Ich weiß, dass ihr irgendwo da draußen seid.

Ich kann euch jetzt spüren.

Ich weiß, dass ihr Angst habt.

Angst vor uns,

Angst vor Veränderungen.

Wie die Zukunft wird, weiß ich nicht.

Ich bin nicht hier um euch zu sagen, wie die Sache ausgehen wird.

Ich bin hier um euch zu sagen, wie alles beginnen wird.

Ich werde den Hörer auflegen und den Menschen das zeigen, was sie nicht sehen sollen.

Ich zeige ihnen eine Welt

ohne euch.

Eine Welt ohne Gesetze,

ohne Kontrollen und ohne Grenzen –

eine Welt, in der alles möglich ist.

Wie es dann weitergeht, das liegt ganz an euch … «


Neo (Keanu Reeves, in: Matrix, 122. min, 41. sec)

 
Es wird darum gehen, ob die betriebene Ausstellungspolitik für Osnabrück angemessen ist oder nicht.

Daniel Torrado Hermo
_________________________

Daniel Torrado Hermo studiert Kunstpädagogik, Philosophie und Medien (Fernsehen und Film) an der Universität Osnabrück. Mit der Arbeit an seinem Hauptwerk Sinngabe – eine Art subjektives Wörterbuch, inspiriert von Joseph Beuys hat er Anfang 2005 begonnen.
14-täglich stellt er einen neuen Artikel auf www.sinngabe.de ein. Das Genre Erbauungsprosa gefällt Torrado am besten zur ersten Einordnung von Sinngabe. Und der von Joseph Beuys geprägte Begriff »Soziale Plastik« präzisiert dann das Anliegen von Sinngabe …

((( t ))) Bist du aufgeregt vor diesem Selbstgespräch?

Kein bisschen – mache ich sogar am liebsten. Obwohl ich aus stilistischen Gründen eigentlich nicht vorgehabt hatte, mich einmal selbst zu featuren. Aber für diesen Transponder, der im Transponder-Archiv die Nummer 13 tragen wird, hat sich niemand gemeldet. Wenn ich also optimistisch bin, hat sich deswegen niemand für diese Ausgabe gemeldet, weil die 13 niemand haben will (lacht). Für mich muss die 13 aber immer eine Glückszahl sein, weil meine Mutter an einem 13. geboren wurde.

((( t ))) Stichwort Transponder: Hat sich die Arbeit bisher gelohnt?

Ja und Nein. Ja, es hat sich gelohnt, weil ich schon das Gefühl habe, dass der Transponder von einigen gelesen wird. Und es ist immer meine Absicht gewesen, genau diese Leser zu bedienen. Die nach Kunst in Osnabrück und Umgebung suchen und das Internet in ihre Suche einbeziehen.

Und Nein, es hat sich nicht gelohnt, weil ich bisher keine signifikanten materiellen oder gar immateriellen Feedbacks bekommen habe. Bis auf eine Ausnahme: Das STADTBLATT hat über die Thermostart° GALERIE berichtet. Und ich glaube, dass der Transponder bislang eines der wesentlichen Elemente der Galerie gewesen ist und die Galerie vielleicht gerade aus diesem Grund so erwähnungswürdig erschien.

((( t ))) Für die kommenden Monate gibt es noch keine Transponder-Protagonisten. Wie geht es also weiter?

Ich werde, falls es keine neuen Interessenten mehr gibt, meinen Fokus auf die Kunsthalle Dominikanerkirche und das Kulturhistorische Museum sowie das Felix-Nussbaum-Haus verlegen. Alle drei stehen als große Kunstausstellungsorte in einer besonderen Verantwortung für Osnabrück, was die Kunst betrifft. Es wird in diesem Fall dann um die Fragestellung gehen, ob die betriebene Ausstellungspolitik für Osnabrück angemessen ist oder nicht. Dabei werde ich gegebenenfalls zu speziellen Interviewpartnern greifen, die für diese Frage prädestiniert sind.

((( t ))) Nun zu deinem Hauptwerk, Sinngabe. Erkläre doch mal bitte deine Motivation und den Begriff Soziale Plastik.

Die Motivation nährte sich ursprünglich daraus, philosophische Gedanken des Alltags in eine Form zu bringen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Dann hatte ich im Sommersemester 2005 ein Seminar über den einflussreichen deutschen Künstler Joseph Beuys bei Frau Professorin Hergert. So kam der erste Kontakt zur Sozialen Plastik von Beuys zustande. Und allmählich wurde mir klar: Das ist genau das Ding, wonach ich immer gesucht hatte. Weil Beuys mit diesem etwas komischen Begriff eigentlich etwas ganz Einfaches und zugleich Geniales meinte: Eine Gesellschaftsformung, die auf dem Prinzip des Sozialen beruht. So wie man eine Skulptur formt, so wird auch eine Gesellschaft von äußeren und inneren Faktoren geformt. Da die Gesellschaft aber aus Menschen besteht – einem relativ weichen Material, wenn man so will –, ist die Form der Gesellschaft zu jeder Zeit wandelbar …

 
Hier ein verkleinerter Screenshot der Startseite von www.sinngabe.de :

… Wenn also der Gesellschaft ihre eigene Form nicht mehr gefällt, kann sie sich selbst umformen. Dazu bedarf es natürlich des Wissens um diese Kraft. Der von Immanuel Kant geprägte Satz zur Aufklärung ist dabei unbedingt heranzuziehen: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung,«¹

Ich würde Kants Aussage in Bezug auf Sinngabe etwas umformen. Sinngabe soll nämlich nicht motivieren zu Mut und Entschließung. Beides möchte ich voraussetzen, wenn erst mal Folgendes gegeben ist: das Wissen und die Erkenntnis um die eigene Macht, wenn man sie mit anderen zu einer großen Macht bündelt. Natürlich muss ein solches Szenario auch Ängste wecken bei jenen Konservativen, die ihren Machterhalt in Gefahr sehen. Aber ich meine: besser ist es, die Macht an die große Gruppe zurückzugeben und mit ihr gemeinsam in Frieden zu leben als zu riskieren, dass die große Gruppe irgendwann mal dahinter kommt, wer sie mit welchen Mitteln unterdrückt, die Perfidität und das Unmoralische dahinter erkennt und sich auf ähnlich unmoralische Weise rächt. Rache ist etwas zutiefst Menschliches. Jeder sollte sich davor fürchten. Wir sind ja nicht mehr im Kindergarten, wo wir uns nur vor leichten bis schwersten Beulen und Löchern in den Köpfen fürchten mussten. Denn der systematisch versklavte Mensch bleibt nicht zivilisiert und schubst die Tyrannen deshalb am Ende auch nicht nur ein wenig vom Thron. Von diesem Entzivilisierten geht Gefahr für das gesamte System, also für uns alle, aus.

((( t ))) Meinst du nicht, dass deine Gedanken zu krass sind?

Auf jeden Fall! Aber wenn man aus einem reinen Schwarz ein helles Grau mischen will, benötigt man sehr viel Weiß. Im Vergleich: Wenn man aus einem Weiß unter Hinzugabe von Schwarz das gleiche Hellgrau erreichen
will, benötigt man einen viel kleineren Anteil Schwarz als man Weiß im ersten Beispiel brauchte. Meine Gedanken sind krass, um überhaupt eine Wirkung zu erzielen. Egal, ob man nun davon ausgeht, das meine Zutat schwarz oder weiß, das Große und Ganze weiß oder schwarz ist; und ob sie eine kleine oder große Wirkung haben wird …

***

¹ In: Was ist Aufklärung?, hrsg. von Ehrhard Bahr. Reclam, Stuttgart/Ditzingen 1998. Seite 9, oben.

 

   

Daniel Torrado Hermo, M.A.

Anfragen und mehr Infos unter
Daniel@Torrado.de

oder

Akazienweg 5
49163 Bohmte

Tel. (05471) 8 02 20 89

www.sinngabe.de

www.thermostart.de

www.torrado.de



....

Alle Rechte vorbehalten. © Daniel Torrado Hermo.
Porträtfoto von Nora Fortmann mit Dank!

   

Autor:

Design:

Daniel Torrado Hermo, www.torrado.de

Thermostart° STUDIO